Sich stark machen für Frauen

Heidelberg. Sich stark machen für Frauen, das ist erklärtes Ziel einer erklecklichen Zahl von Einrichtungen in Heidelberg. Auch wenn einige wie “Frauen helfen Frauen”, der “Frauennotruf”, das Mädchenhaus, das Bildungs- und Beratungszentrum für behinderte und chronische kranke Frauen (BiBez) oder das Internationale Frauenzentrum schon viele Jahre bestehen und niemand mehr die Relevanz ihres Tuns in Frage stellt, ist ihre Arbeit in letzter Zeit nicht leichter geworden. Umso besser, wenn in Zukunft ein Netzwerk in der Region entstehen könnte. “Brücken zu bauen” im übertragenen Sinn ist auch ein wichtiges Anliegen von Franziska Brantner. Die Europaabgeordnete, die für die Metropolregion Rhein-Neckar angetreten ist, versteht das als Auftrag.Ob Erfahrungsaustausch in Sachen Platzverweis für gewalttätige Männer über den Rhein hinweg zwischen Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen oder der Dialog darüber, warum manche Gelder des Europäischen Sozialfonds nicht dort ankommen,  wo sie am dringendsten benötigt werden, das möchte die 30-jährige Abgeordnete der Grünen gerne anstoßen und hartnäckig dran bleiben, wie es ihrem Naturell entspricht. Denn, so sagte sie bei einem Treffen mit Vertreterinnen verschiedener Frauengruppen und –verbänden aus Heidelberg, “die Metropolregion soll nicht nur Wirtschaft und Wissenschaft in den Fokus nehmen, sondern auch Soziales und Gesellschaftliches”. Und da gehört die Gleichstellung der Geschlechter und der Schutz von Opfern von Gewalt nun einmal dazu. Keine Frage, es hat sich etwas getan in den letzten Jahren. Doch noch immer oder schon wieder gibt es immense Probleme. Ob das Migrantinnen sind, denen nicht geglaubt wird, wenn sie von prügelnden Partnern erzählen, Mädchen, die zwangsverheiratet werden sollen, Ess-Störungen, die immer stärker um sich greifen und immer jüngere Kinder betreffen, oder Kolleginnen, die trotz Handicap ihre Frau im Job stehen wollen, aber es ungeheuer schwer haben.

“Wir müssen aufpassen, dass manches Erreichte nicht hinten runter fällt”, so Margarete Müller vom Frauengesundheitszentrum (info@fgz-heidelberg.de). Sie weiß, wovon sie spricht. Der Kampf ums Überleben und die jährliche Finanzierung gehört für die meisten fast zum täglichen Brot und ist in Zeiten klammer kommunaler Kassen nicht leichter geworden. Frauenpolitik ist für Franziska Brantner ein vertrautes Metier. Nicht nur, weil sie im Europäischen Element im zuständigen Ausschuss sitzt (außerdem noch in dem für Außen- und Sicherheitspolitik und im Haushaltsausschuss), sondern auch, weil sie früher für die Vereinten Nationen in diesem Bereich gearbeitet hat. Dass vieles in Brüssel und Straßburg ist im Hinblick auf Frauenrechte nur schwer durchsetzbar ist, hängt ihrer Ansicht nach vor allem an den schwierigen Mehrheitsverhältnissen. Von daher gelte es derzeit in erster Linie, “den Status Quo zu halten”. Ob Abstimmung darüber, dass die Antidiskriminierung nicht nur im Beruf, sondern auch im privaten Umfeld greifen muss, oder dass das Daphne-Programm fortgeführt wird, es bedarf viel an Überzeugungsarbeit, um das Erreichte zu sichern. Das kennen die Heidelbergerinnen zur Genüge.

Dabei, das erfahren beispielsweise die Mitarbeiterinnen des Internationalen Frauen- und Familienzentrums (ifz.hd@t-online.de) immer wieder, sind sie nötiger denn je. Seit 1991 gibt es diese Anlaufstelle für eingewanderte Frauen, die auch Beratungsstelle bei Schwangerschaftskonflikt und Paarproblemen ist. Das Team ist interdisziplinär und kann den Betroffenen in 20 Sprachen zur Seite stehen. Semra Serdaroglu-Baloch, ursprünglich aus der Türkei, weist auf ein ständig größer werdendes Problem hin: Ungewollte Schwangerschaften kommen immer häufiger auch dadurch zu Stande, dass Frauen sich Verhütungsmittel nicht mehr leisten können und weder Kranken- noch Sozialkassen hier helfen.

Angelika Treibel und Birgit Dannegger vom Frauennotruf  (info@frauennotruf-heidelberg.de) können sich vor Arbeit kaum retten, obwohl die Hemmschwelle bei vielen Frauen noch immer riesig ist, sich Hilfe zu holen, wenn ihnen Gewalt angetan wird. Viele wissen auch gar nicht, dass es so etwas wie Platzverweis gibt. Bei Migrantinnen kommt dann noch oft das Sprachproblem hinzu und sie fürchten, wenn sie beispielsweise den gewalttätigen Ehemann anzeigen, dann keine Aufenthaltserlaubnis mehr zu haben. Auch hier, das waren sich Franziska Brantner und die aktiven Frauen einig, sollte es regional Zusammenarbeit und Fortbildung geben.

Frauenhäuser, wie sie der Verein Frauen helfen Frauen betreibt, (info@fhf-heidelberg.de) kommen schon gar nicht ohne Kooperation aus, wenn sie die Frauen und Kinder effektiv schützen wollen, für die sie oft letzte Anlaufstelle in der Not sind. Dort finden Frauen Hilfe bei der Bewältigung ihrer Gewalterfahrungen, bei der Klärung ihrer finanziellen und rechtlichen Situation und im Kontakt mit den Behörden. Oft, so Franziska Brantner, denken viele Politikerinnen und Politiker in Deutschland, sie seien da besonders fortschrittlich. Stimmt nicht. In Spanien beispielsweise ist die staatliche Förderung einheitlich und wesentlich großzügiger als in der Bundesrepublik.

Schon immer dem regionalen Gedanken verpflichtet war BiBeZ (info@bibez.de). Hinter dem Kürzel verbirgt sich “Bildung integriert, Beratung eröffnet Zukunft”. Seit der Gründung des Vereins im Jahr 1992 setzt sich das Team für die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen mit Behinderung und chronischer Erkrankung. Sie sollen ein möglichst selbstbestimmtes Leben und eine möglichst weitgehende Teilhabe an allen Bereichen der Gesellschaft haben können. Zu den Angeboten gehört natürlich die Beratung bei Berufsfragen und im sozialen Bereich, aber auch Workshops und Weiterbildung. Einig waren sich die Frauengruppen mit Franziska Brantner, dass nichts vom Erreichten selbstverständlich ist. Alles muss verteidigt und auch wieder errungen werden. Sonst, so der Tenor, “zerbröselt es wieder”.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Deutschland, Frauenpolitik, Initiativen, Region, Sozialpolitik

Ein Kommentar

  1. Dietmar
    Erstellt am 9. März 2010 um 19:50 | Permanent-Link

    Alle Frauenhäuser schließen, es gibt auch keine Männerhäuser.
    Frauen üben zu 50% Gewalt an Männern (suptil, schlecht reden, körperliche Gewalt usw.) und an Kindern (Kindesentziehung und -entführung, nicht Einhalten von Umgangszeiten mit dem Vater, usw.).

    Keine Sonderrechte mehr für Frauen.
    Schluss mit den Lügen und der feministischen Ideologie die zum Geschlechterkrieg geführt hat.

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